BG Kritik:

Erlösung - Flaschenpost von P


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur war er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin tätig.

Flaskepost fra P (DNK/SWE/DE/NOR 2016)
Regisseur: Hans Petter Moland
Cast: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Pal Sverre Valheim Hagen

Story: Eine Flaschenpost bringt das Ermittler-Duo um Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) zu ihrem neuesten Fall. In der Flasche steckt ein Brief, der von zwei Jungen stammt, die vor ein paar Jahren spurlos verschwunden sind, jedoch nie als vermisst gemeldet wurden. Sie machen sich daran herauszufinden, wer die beiden Kinder waren und wieso sie nie als verschollen gemeldet wurden. Parallel ereignet sich die Entführung eines weiteren Geschwister-pärchens, welche in ihrem Motiv dem alten Fall ähnelt und das Duo auf eine heiße Spur bringt.

Auf geht es in die dritte Runde des Skandinavien-Krimis im Kinoformat.

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Nach ERBARMEN und SCHÄNDUNG folgt nun die dritte Leinwand-Adaption eines Buches von Jussi Adler-Olsen um die beiden Ermittler Mørck und Assad, die sich in ihrer Sonderabteilung, dem Dezernat Q, um ungelöste Fälle aus der Vergangenheit kümmern. Während ihr erster Film trotz etwas zu offensichtlichter Storykonstruktion seinerzeit überzeugte, wurde die Fortsetzung schon weniger wohlwollend von Publikum und Kritik aufgenommen. Ihr drittes, wie schon die Vorgänger für sich stehendes, Abenteuer wurde nun mit neuem Regisseur, Hans Petter Moland, realisiert. Den Norweger kann man ehesten durch seinen Film EIN MANN VON WELT (NOR 2010) kennen: in der Tragikomödie spielte Stellan Skarsgard einen Ex-Häftling, der nach verbüßter Strafe versucht wieder ins Leben zurückzufinden. Das Drehbuch stammt wieder von Nikolaj Arcel, der gerade als Regisseur versucht Stephen Kings „The Dark Tower“-Reihe vor der Kamera zu realisieren.

Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Fälle des Sonderdezernates Q findet man schnell ins Geschehen. Die beiden Ermittler werden ohne jeglichen persönlichen Unterbau in einen neuen Fall geworfen. Anders als bei der Lisbeth Salander Trilogie ist es also nicht nötig, die anderen Filme gesehen zu haben. Der Fall an sich lädt dieses Mal nicht zum Rätseln ein. Der eigentliche Täter wird früh offenbart, sodass der Fokus mehr auf der Hetzjagd nach ihm liegt. Leider schaffen es die Macher nicht, das Vorhaben unserer Kommissare überzeugend zum Scheitern zu bringen. Zu viele Zufälle arbeiten zusammen, um die Taten der Helden und ihrer Hilfe künstlich in die Länge zu ziehen. Zwar ist eine Sequenz während einer Zugfahrt gegen Mitte des Films spannend und rasant in Szene gesetzt, doch zu oft fallen die Charaktere fragwürdige Entscheidungen.

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Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares kehren natürlich in ihren etablierten Rollen zurück. Auch wenn es für einen vielleicht der erste Film aus der Reihe ist, gewöhnt man sich schnell an sie als Partner, wo Fares Fares den etwas lockeren, sprücheklopfenden Kollegen mimt und Lie Kaas Carl Mørck mehr der in sich gekehrte, mürrische Eigenbrötler ist. Schade ist, dass die Figurenzeichnung völlig unter den Tisch fällt. Die beiden entwickeln eine gute partnerschaftliche Dynamik, aber Tiefe via interessanten Ecken und Kanten können sie mit ihren Figuren kaum schaffen.

Ein besonderer Coup gelang den Machern mit der Besetzung von Pål Sverre Valheim Hagen als dem Missionar Johannes. Es dürfte wohl nicht mehr lange dauern bis auch Hollywood seine Fühler nach dem charismatischen Norweger ausstreckt. Mit stoischem Kalkül vollbringt er seine Taten und verliert bis zuletzt nicht sein arrogantes, aber siegersicheres Lächeln. Vielleicht gibt der Film seine Identität zu schnell preis, deshalb lässt sich in dieser Kritik auch unverblümt darüber schreiben, denn sehr früh muss er so keinen Spagat mehr zwischen vertrauensvollem, charismatischem Kirchenmitarbeiter und diabolischem Entführer und Mörder vollbringen, sondern kann sich ganz auf das Böse konzentrieren. Er wird dadurch ein immer präsenter und bedrohlicher Antagonist hat dann aber unterm Strich in seinem Spiel kaum mehr Möglichkeiten als eben böse zu sein, da seine Taten unverzeihlich sind und keine Empathie beim Zuschauer, trotz Hintergrundgeschichte, zulassen.

Was sich die mittlerweile zur Trilogie gefassten Filmreihe schon von Anfang an anhören muss ist, ob sie nicht besser direkt ins TV gehört anstatt auf die große Leinwand. Der Starttermin zu Beginn der Europameisterschaft stimmt diesem Zweifel ja seitens des Verleihers fast schon zu, aber andererseits gibt es nur wenige plausible Argumente, die einen Kinogang des Thrillers wirklich in Frage stellen können. ERLÖSUNG ist ein stringent erzählter, spannender Thriller, der neben großem Effektkino und kleineren Titeln in den Programmkinos eine gute und ausgewogene Abwechslung bietet und deshalb auch gerne auf der großen Leinwand gezeigt werden darf für die er auch, anders als ursprünglich die bekannte Millenium-Trilogie, trotz Geldern von TV-Sendern produziert wurde.

Fazit:

Mehr als nur ein „besserer“ TV-Film. Hochspannung bis zum Schluss mit der vielleicht nur Logikpuristen ihre Schwierigkeiten haben werden. ERLÖSUNG erfindet das Rad nicht neu, aber arbeitet versiert mit bekannten Versatzstücken des Genres. Etwas schade, dass die Hintergründe der Kommissare eher in den Hintergrund rücken und wirklich nur die Lösung des Falls im Vordergrund steht und behandelt wird.

7 / 10

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