BG Kritik:

Findet Dorie


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Finding Dory (US 2016)
Regisseur: Andrew Stanton
Cast: Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Ed O’Neill, Sigourney Weaver, Idris Elba

Story: Ein Jahr nachdem Nemo verloren ging, geschieht etwas Unerwartetes, denn die vergessliche Fischdame Dorie erinnert sich an ihre Eltern. Also Clownfisch Nemo und dessen Papa Marlin an der Flosse gepackt, und ab in die Weiten des Ozeans, auf der Suche nach der vergessenen und verlorenen Vergangenheit, auf in eine ungewisse Zukunft.

Was würde Dorie tun?

Demnächst will Pixar wieder mehr auf neue Filme setzen


Wenn man wie die Pixar-Studios fast nur Hit auf Hit produziert, kommt man heutzutage auch nicht mehr drum rum, Sequels zu früheren Hits zu liefern. So gab es aus dem zum Disney-Imperium gehörigen Studio ja bereits mehr Toy Storys und mehr von eigentlich lieben Monstern, die nachts aus dem Schrank kommen um Kinder zu erschrecken. Und natürlich Verlängerung des Merchandising-Hits mit den sprechenden Autos - Spin-offs mit Flugzeugen inklusive. Mehrheitlich waren es aber weiter originale Stoffe, die uns in den letzten Jahren in die Lichtspielhäuser locken sollten, darunter u.a. so tolle Filme wie Alles steht Kopf oder Merida – Legende der Highlands, sowie Meisterwerke wie Oben oder WALL·E. Und wie sich das gehört, waren fast alle von diesen qualitative Hits, auch Hits an den Kinokassen. Fast alle. Denn der letztjährige Arlo & Spot ging dann ja finanziell doch eher baden - völlig zu Unrecht, da ein wirklich gelungener Beitrag. Vielleicht mit ein Grund, alle paar Jahre mal einen recht sicheren Kassenhit mit einzuplanen, falls mal wieder eines der Pixar-Originale in finanzieller Sicht untergeht.

Nun also das Sequel zu Findet Nemo, und eigentlich ist es gar kein richtiges. Eher eine Erweiterung, mit einem leicht anderen Blickwinkel in die Welt, die wir bereits aus Findet Nemo aus dem Jahre 2003 kennen und lieben. Denn wie der Titel bereits vorwegnimmt, spielt diesmal Dorie die Hauptrolle. Hier gibt es also konsequenterweise deutlich mehr von ihr, aber erstaunlicherweise ohne zu überziehen, wie das zumeist der Fall ist, wenn man liebevolle Randfiguren in den Fokus rückt (Illumination Entertainments Minions, ihr seid u.a. damit gemeint). Marlin und Nemo sind hier also etwas mehr die Sidekicks, während Dorie die Führungsposition einnehmend, voran schwimmt. Allein gelassen wird sie dort allerdings nicht, denn es gibt einen ganzen Haufen an Neuzugängen, welche sich sehr harmonisch in das bestehende Ökosystem aus Findet Nemo eingliedern. Beim Alten bleibt alles bei der Regie, denn Pixar-Legende Andrew Stanton inszenierte auch das Sequel, und kehrt somit (zumindest erstmal) wieder zum Animationsfilm zurück. Zur Erinnerung, sein letzter Film war ja der Realfilm John Carter, welcher allgemein eher gemischt ankam, aber viel wichtiger, finanziell für Disney floppte. Also zurück zu den Wurzeln und ein Sequel zu einem alten Hit angehen. Ebenfalls zur Erinnerung, dem Regisseur verdanken wir die Pixar-Meisterwerke Findet Nemo und WALL·E. Ist Findet Dorie also ein notwendiges Übel, ohne Stantons übliches, fühlbares Herzblut?

Ein ganz klares Nein, zumindest kommt es nicht so rüber, denn der Film sprudelt geradezu über vor fühlbarem Herzblut, Freude und emotionalen Momenten. So direkt der Anfang, in dem uns offenbart wird, wie Paletten-Doktorfisch Dorie ihre Eltern verlor. Diese Flashback-Szene ist eine von vielen, und so unfassbar knuffig süß und herzzerreißend und mitnehmend zugleich, wunderschön und durchaus clever in eine bestehende Szene aus Findet Nemo integriert. So vermischen sich die zwei Filme an diesem Punkt, wie zwei Wellen im Ozean, und es entsteht direkt ein berauschendes und mitreißendes Ganzes, von dem man sich bereitwillig hinaus aufs Meer ziehen lässt. Denn hat man erst gesehen und verdaut, wie die schon als Kleinfisch vergessliche Dorie verloren ging und mutterseelenallein heranwuchs, dürfte es auch schon um einen geschehen sein, und man ist wieder mittendrin in der Welt aus Findet Nemo. Dories Abenteuer startet also direkt mit einem extrem emotionalen Moment und hört damit auch einfach bis zum Schluss nicht auf, denn der Film steckt voller solcher Szenen. Natürlich immer unterbrochen von warmen, herzlichen und oder einfach sehr witzigen Szenen.

Es kommen allerdings noch Toy Story 4, Cars 3 und Die Unglaublichen 2


Wie üblich kommt man auch bei diesem Sequel nicht umher, einen gewissen Fan-Service mitschwimmen zu lassen. Und so gibt es als kleine Häppchen, den einen kurzen oder längeren Gastauftritt, von einigen der beliebtesten Figuren aus dem Original, und mehr. Ebenso gibt es eine Erklärung für Dories ausgezeichneten Walisch-Kenntnisse und ihren „Einfach schwimmen, einfach schwimmen“-Song. Auch hier, mehrheitlich ohne zu übertreiben oder es zu einem lauwarmen Neuaufguss werden zu lassen, in dem man die Höhepunkte in anders, neu aufbereitet. Hier gibt es zwar hier und da solche und mehr Anleihen und Auftritte aus Findet Nemo, aber man erweitert mehrheitlich mit neuen Figuren, anstatt sich platt wie eine Flunder, zu wiederholen. Hier gibt es mehr neu, als alt. Was man z.B. allein aus dem Neuzugang des tarnfähigen Oktopoden Hank (gesprochen von Eine schrecklich nette Familie und Modern Familys Ed O’Neill) an mit Kreativität angereicherter Tinte gequetscht hat, dürfte für etliche Seiten im Drehbuch gereicht haben. Oder anders ausgedrückt: Oktopus Hank stiehlt die Show und rockt das Meeresinstitut, und zwar in nahezu jeder seiner Szenen. Herrlich. Vielleicht in 10 Jahren dann Findet Hank? Abwarten.

Hier ist das Erzähltempo jedenfalls flott und es geht um Familien, Zugehörigkeit, Ängste sowie weitere universelle Werte und dass jeder, - ob Mensch, Fisch oder Oktopode - so in Ordnung ist, wie er ist. Die vermittelten Botschaften mögen zwar nicht neu sein, kommen aber auch nie aus der Mode. Zumindest nicht, wenn so ehrlich wirkend wie in diesem Film, vermittelt. Nur im Finale wird ein wenig zu tief in die verrückte Action- und Aktionen-Kiste gegriffen. Das ist allerdings spätestens mit dem Erklingen von Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ verziehen. Denn Findet Dorie ist mal wieder einer dieser sich einfach richtig anfühlenden Filme von den Pixar-Studios, der für die ganze Familie was zu bieten hat. Für die Kleinen ist das Abenteuer gefährlich genug, um große Augen zu machen - aber nie darüber hinaus - und für die Großen gibt es dazu noch u.a. pointierte Dialoge zu den Vor- und Nachteilen eines funktionierenden Erinnerungsvermögens. Der Film mag unterm Strich nicht ganz so ein Meisterwerk wie Nemo sein, ist aber mindestens ein von Meisterhand gezaubertes, überdurchschnittliches Stück Animationskunst, mit unfassbarem Herz und spürbarer Liebe, welches kaum emotionaler sein könnte. Tipp: Beim Abspann sitzen bleiben, wenn man weiterlachen möchte.

Fazit:

Nachdem ein Toy Story 3 selbst gestandene Männer zum Weinen bringen vermochte, ließ das Austauschsemester an der Monster Uni eher etwas unterwältigt zurück und konnte nicht völlig überzeugen. Dorie zu finden ist nun aber wieder ein fast völliges Erfolgserlebnis eines Sequels aus dem Hause Pixar, denn das Findet Nemo Sequel ist ein herzenswarmer, kreativer und wunderschöner Film, in dem ein vergessliches blaues Fischlein sich und uns daran erinnert, worauf es im Leben wirklich ankommt. Unvergesslich schön und für die ganze Familie gemacht.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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