BG Kritik:

Get Out


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

Get Out (US 2017)
Regisseur: Jordan Peele
Cast: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford

Chris (Daniel Kaluuya) und Rose (Allison Williams) sind ein Paar. Ihre unterschiedliche Hautfarbe hat sie dabei nie gestört. Doch nun wollen sie den nächsten Schritt in ihrer Beziehung tun und Chris soll Rose' Eltern treffen. Also machen die beiden sich mit dem Auto auf den Weg in einen anderen Teil der USA und werden im Haus von Dean (Bradley Whitford) und Missy (Catherine Keener) herzlich in Empfang genommen. Lediglich damit, dass Rose' Eltern mit Georgina (Betty Gabriel) und Walter (Marcus Henderson) zwei afroamerikanische Angestellte haben, weiß Chris nicht recht umzugehen. Doch soll dies nicht die einzige Ungereimtheit in dieser Idylle bleiben.

Ein entspanntes Wochenende mit den Schwiegereltern in spe, das sollte man sich nicht entgehen lassen, oder? Chris (Daniel Kaluuya) hält seine Umwelt mit einer handelsüblichen digitalen Spiegelreflexkamera fest. In schwarz-weißen Bildern zeichnet er nach, was ihm vor seine Kameralinse kommt und für ihn den Wert besitzt von seiner Welt festgehalten zu werden. Eine Welt, die nur zwei ‚Farben‘ kennt. Schwarz und Weiß.

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Regie-Debütant Jordan Peele war und ist hauptberuflich Comedian. Sein Fach sind Witze und Sketche, die den Betrachter und Zuhörer bis zu einer Pointe an der Nase herumführen sollen. Alltägliche Situationen werden dem Gag zuliebe überzogen, bekannte Ereignisse humorvoll paraphrasiert. In GET OUT ist Peele sich den Wurzeln und den Tropen des Horror-Genres bewusst. Er spielt mit den Konventionen und überzieht sie sogleich. Der Beginn des Films ist hierbei noch interessant, weil die Gefahr von einem anonymen Viertel der weißen Oberschicht ausgeht. Als erstes Opfer einen Farbigen zu wählen, spielte schon Wes Craven durch, doch musste er noch seine Opfer in abgelegene Villen stecken um sie grafisch aus der Handlung zu entfernen.

Dieses Spiel mit Konventionen treibt der Regisseur immer weiter um schließlich seine Pointe zu zelebrieren. Der Farbige schlägt zurück und man feiert es als das postrassistische Amerika. Gewalt und Kontrolle mit Gewalt bekämpfen. Nate Parker und Steve McQueen haben scheinbar den Fehler gemacht diese Mechanismen als Historienfilm zu verkaufen. Nach einem ähnlichen Credo erzählen nicht nur farbige Filmemacher, sondern auch weiße, man denke an Quentin Tarantino. Aufmerksamkeit aber scheint sich nur über den Mainstream generieren zu lassen. GET OUT ruft, wie die anderen Filme, nicht zur Gewalt auf, doch was kann der Film am Ende wirklich bezwecken? Was bleibt?

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GET OUT ist kein schlechter Film, doch versteckt er seine Themen in einem Genrefilm mit profanen Mechanismen. Wir erkennen die Spuren, wie der übergewichtige, farbige Sicherheitsbeamte, der schon im ersten Drittel die Geheimnisse des Films ausplaudert. Man lacht über ihn. Wir die Zuschauer, wie auch die farbige Polizistin, der farbige Polizist und deren lateinamerikanischer Kollege.

Peele versetzt den Zuschauer in Hypnose, denn am Ende wissen wir, wenn aus dem Polizeiauto der weiße Mann aussteigt war es das mit unserem Helden. Es gibt nur Schwarz und Weiß für Peele in diesen Film. Gut und Böse. Wird der reale weiße, rassistische Polizist nach dem Film sein Vorgehen mit schwarzen Beifahrern verändern? Wenn uns der Film zeigen kann, wie es um den Rassismus in Amerika steht, haben wir dann die letzten Monate und Jahre nicht einfach geschlafen?

Fazit:

Viel Lärm um nichts. Handwerklich tadellos, wird dem Film zuweilen von den Medien und der Presse mehr angedichtet, als es am Ende zu sehen gibt.

6 / 10

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