BG Kritik:

Spider-Man: Homecoming


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Spider-Man: Homecoming (US 2017)
Regisseur: Jon Watts
Cast: Tom Holland, Michael Keaton, Marisa Tomei, Robert Downey Jr., Jon Favreau

Story: Frisch von seinem Civil War-Einsatz in Deutschland zurück, sieht sich Peter Parker mit den Alltags-Komplikationen aus Teenager-Dasein und Superheld nach Schulschluss konfrontiert. Sich zu mehr als Handtaschen- oder Fahrraddiebe dingfest machen berufen fühlend, kommt eine fliegende Bedrohung namens Vulture zunächst wie gerufen.

Es wird hart gespidert.

Spider-Man wird auch in Avengers 3+4 zu sehen sein...


Sam Raimis letzter Spider-Man erschien 2007, und zwischen jenem und dem neuen hier mit Tom Niederlande gabs auch noch die beiden The Amazing Spider-Mans mit Andrew Lasagne, der eigentlich auch einen großen Franchise starten sollte, sich aufgrund fehlender Amazingheit allerdings im eigenen Netz verhedderte und offscreen von Paul Giamattis Rhino niedergenashornt wurde. Dieser hier ist jetzt besondere Beute, denn nach zwei Alleingängen vernetzte Sony sich endlich wieder mit Marvel, denen sie die Spider-Man Lizenz vor Jahren mal abgekauft hatten. In Captain America 3 kam New Spidey ja schon vor, jetzt also der Einzelfilm. Ein erster Marvel Spider-Man, der sein Homecoming sogar äußerst subtil im Titel anpreist. Ob das was zu bedeuten hat?

Ja und doch irgendwie nicht. Ja, denn das Avengersverse ist hier fest implementiert. Besagte Avengers werden laufend genannt oder gezeigt, und New Spider-Man bekommt als wachenden Mentor Tony Stark zur Seite gestellt, der seinen Anzug mit Iron Man Technologie ausstattet. Iron Spider-Man? Jap, könnte man fast sagen, denn Peters Anzug steckt so voller High Tech, dass selbst War Machine dagegen alt ausschaut. Dieser Spider-Man kann durch Wände schauen, weit entfernte Sprecher abhören, hat eine separate Flugdrohne und sogar einen Bordcomputer, mit dem er sich unterhalten kann. Das ist eine immense Änderung zu den alten Filmen und lässt immer mal wieder vergessen, dass Peter selbst übermenschliche Kräfte besitzt.

Inhaltlich waren John Hughes Filme wie Breakfast Club oder Sixteen Candles das Vorbild, also fällt Spider-Man dieses Mal erheblich jünger aus und fokussiert sich stärker aufs Schulleben als die anderen. Eine Mary Jane gibt’s hier noch immer nicht (quasi), Gwen Stacy dieses Mal auch nicht, also verfällt er einer ebenso hübschen wie charakterlosen Mitschülerin namens Liz Allen und bekommt mit Disney-Shootingstar Zendaya (kein Nachname) eine dauerironische Kollegin. Tom Holland macht seine Sache als Spider-Man erneut hervorragend und spielt Peter Parker als wunderbar naiven, leicht hibbeligen Teenager, der quasseliger und fröhlicher drauf ist als Andrew Garfields nachdenklichere Version. Das Schulleben ist heiter und spaßig inszeniert, wirkt allerdings auch recht belanglos. Verfestigt wird diese Oberflächlichkeit durch ein grundsätzliches Fehlen eines emotionalen Kerns, denn der Tod von Onkel Ben wird lediglich erwähnt, und es gibt kein interessant kritisches Verhältnis zu den Osborns, was selbst Dane DeHaans Osborn im letzten Film schuf, da sie hier gar nicht erst vorkommen. Exemplarisch für die fehlende Tiefe ist eine Actionszene mit einem Schiff, die einer Szene mit einer Straßenbahn aus Spider-Man 2 äußerst ähnlich ist. Der Unterschied? Ist Peters Rettung in Raimis Spider-Man 2 packend, eine spürbare Tortur und wird passend aufgehoben, hinterlässt die Schiffsszene aus diesem maximal ein freundliches Nicken.

Derweil kommen Solofilme zu Gegnern wie Venom und Black Cat


In kleinen Nebenrollen finden sich Bokeem Woodbine und Logan Marshall-Green (aus Prometheus) als zwei Shocker sowie Michael Chernus als Tinkerer und Michael Mando als Scorpion und außerdem Beinahe-Amazing-Spider-Man Donald Glover als Prowler(alle fünf ohne Kostüm) ein, wie auch Marisa Tomei als jüngere Tante Mays, die ständig ausschaut, als hätt sie gerade noch Sex bis zur Erschöpfung gehabt, wieder, die ihre Sachen alle gut machen, aber allesamt nicht sonderlich auffallen. Seine fast schon größte Rolle im MCU bekommt Jon Favreau als Tonys Fahrer Happy, der sich um Spider-Man kümmern soll, ihn aber weitestgehend ignoriert.

Der Gegenspieler ist Vulture, ein vom System enttäuschter Ingenieur, der mit Hilfe von Chitauri-Technologie High-Tech Waffen stiehlt und sie an verbrecherisches Gesindel verkauft. Gespielt wird er von Michael Keaton, der ehemalige Batman aus dem alten Tim Burton Film. Keaton gibt ihn als relativ kühlen, abgebrühten, aber charismatischen Anführer einer Bande, die eigentlich nur Geld machen will und erst dann gefährlich wird, als Spider-Man seine Geschäfte bedroht. Im Vergleich zu vorherigen Spider-Man Gegnern wie Rhino, Green Goblin oder Doc Ock bleibt Keaton leiser und abgeklärter, was ihn insgesamt bedrohlicher erscheinen lässt und einen guten Kontrast zum roten Flubber bilden lässt. Erst zum Schluss kommt eine Verbindung zwischen beiden Figuren auf, bei der Regisseur Jon Watts die Hochspannung aus seinem Film Cop Car übertragen kann. So effektiv sie auch ist, kommt sie zu spät. Fakt ist, dass Keaton die auf dem Papier flache Rolle wie zu erwarten und mit Leichtigkeit zu einer tollen Präsenz macht.

Lange Fäden, weite Wege. Das soll nicht heißen, dass der Film nicht gut wäre. Watts liefert hier einen soliden Comic Film ab, der sich nahtlos in die Qualitäten der übrigen MCU Titel eingliedert. Vulture, der ja eigentlich via John Malkovich im alten Spider-Man 4 auftauchen sollte, hat ein exzellentes Kostüm und bekommt lauter gute Actionszenen spendiert, doch bei aller Kompetenz fällt auf, dass diesem neuen Spider-Man zweierlei fehlt. Zum einen bleibt er emotional weit hinter dem zurück, was die ersten beiden Raimis vermochten, zum anderen bietet er kaum Gründe, wieso man von allen Spider-Man oder MCU Filmen diesen schauen sollte. Spider-Man selbst durchläuft sogar nur scheinbar einen Wandel. Am Anfang sagt ihm Tony, er solle das Kämpfen noch sein lassen, da er zu unerfahren sei. Im Laufe des Films lernt er allerdings nichts dazu, und ein späterer Moment lässt es sogar so aussehen, als hätte er lernen müssen, alleine zurecht zu kommen.

Fazit:

Geformt, genormt: Der neue Spider-Man spinnt sich brav in die MCU-Formel ein und bleibt kurzweilige, lockere Blockbusterunterhaltung, wie man sie mittlerweile immer wieder gewohnt ist. Das Schulszenario ist nett, aber so unbesonders, dass selbst American Pie 3 radioaktivere Bisse hinterlassen haben sollte. Im Vergleich mit den bisherigen Spider-Man Filmen schwingt der neue deutlich hinter den Maguire/Raimis 1 und 2 her, die dann doch noch mal wesentlich emotionaler und mitreißender waren.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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