BG Kritik:

Star Trek Beyond


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Star Trek Beyond (US 2016)
Regisseur: Justin Lin
Cast: Chris Pine, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Simon Pegg, Karl Urban, Anton Yelchin, John Cho, Idris Elba

Story: Inmitten ihrer Fünf-Jahres-Mission bekommt die Crew der U.S.S. Enterprise den Auftrag, eine Rettungsmission durchzuführen. Eine Falle, die gnadenlos zuschlägt und die Enterprise vernichtet. Teil 3 des von JJ Abrams angestoßenen Reboot.

Lebe lang und in Frieden, oder so ähnlich.

Teil 14 ist bereits beauftragt


Der Weltraum, unendliche Weiten. Dies sind die Action- und Krawall-lastigen Abenteuer des rebooteten Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen, und dabei möglichst viele interstellare Schlachten zu erleben. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor explodieren sah. Ob nun JJ- oder Abrams-Verse oder doch The Kelvin Timeline, hier weht weiter ein anderer Wind durch die unendlichen Weiten. Pünktlich zum 50. Jubiläum von Star Trek macht sich die U.S.S. Enterprise auf, um ihren in Star Trek Into Darkness erhaltenen Forschungsauftrag zu erfüllen. Zeitlich nun innerhalb der Serienzeit aus dem Original-Universum, und inmitten ihres dritten Jahres der Fünf-Jahres-Mission angelangt. Erforschung und Entdeckung stehen weiterhin nicht im Fokus - auch wenn der Film zunächst damit beginnt, mit einer durchaus merkwürdigen Eröffnungsszene. Stattdessen steht wieder einmal Sci-Fi Action im Vordergrund, wobei die Crew nicht zu kurz kommt.

Star Trek Beyond ist der erste der neuen Filme, der auf den 2015 verstorbenen Ur-Spock Leonard Nimoy verzichten muss und zugleich der letzte Teil, in dem der unlängst tragisch verstorbene Anton Yelchin den Pavel Chekov geben konnte. Dies merkt man, ist der Film durchzogen von einer nachdenklichen und nostalgischen Note und wirkt vielerorts wie eine Art Abschied. Etwas, was nicht nur im Abspann ersichtlich wird, in denen beiden verstorbenen Darstellern Ehre erwiesen wird. Auch zuvor weht Nostalgie durch den Raum, denn für all jene die mit dem neuen Universum bisher nichts anzufangen wussten, haben die Autoren Simon Pegg und Doug Jung mehr vom alten Feeling aus klassischen Star Trek-Zeiten einfließen lassen. Das Drehbuch legt den Fokus dabei klar auf die Crew, und vernachlässigt dafür nahezu alles drum herum. Charakterlich bekommen fast alle Hauptfiguren einige neue Sorgenfalten verpasst. So zweifelt ein von ermüdender Routine in den unendlichen Weiten ermatteter Captain James T. Kirk (Chris Pine) auch aufgrund seines nahenden Geburtstages an seinem Weg, da er nun älter wird, als es seinem Vorbild und Vater, George Kirk je verdankt war. Angetrieben von seinem Vorbild ging er einst zur Raumflotte. Und nun scheint dieser Weg diffus und ohne verfolgbare Linie, ja schwerelos und ungreifbar geworden zu sein. Ganz ähnlich ergeht es Spock (Zachary Quinto), denn auch er strauchelt zwischen seinem eigenen Pfad zu finden, oder doch den legendären Fußspuren seines älteren Ichs und Vorbildes zu folgen.

Der Chekov Darsteller verstarb kürzlich auf tragische Weise


Optisch wie aus einem Guss, bemerkt man den Regie-Wechsel von J.J. Abrams zu Justin Lin kaum bis gar nicht, lediglich die Abrams-Lichtspiele gehen noch deutlich weiter zurück. Nachdem Lin die Enterprise zu den abermals (auch im restlichen Film) sehr gelungenen Klängen von Komponist Michael Giacchino und in atemberaubenden Bildern vom Himmel geholt hat - und sich ihrer in einem vermutlich nicht unbeabsichtigt an jenen Crash in Star Trek VII – Treffen der Generationen erinnernden Absturz entledigt hat - gilt es für die Crew zu überleben. In die Falle getappt und gestrandet müssen Kirk und seine Mannschaft nicht nur ihr eigenes Überleben sichern, sondern auch die gesamte Föderation retten. Denn der Verantwortliche hat weitere und finstere Pläne. Aber nach der feindlichen Demontage der Enterprise gilt es für die Crew erst einmal wieder zueinander zu finden, denn nach dem Notausstieg via Rettungskapseln findet sich die Kommando-Crew zunächst an unterschiedlichen Ecken der fremden Welt wieder. Aufgerieben und aufgesplittet gilt es sich zu sammeln und dem Feind erneut entgegen zu treten. Pille und Spock necken sich hierbei auf ihrem gemeinsamen Pfad wunderbar und bieten ordentlich Reibungspunkte, wenn sie sich als Team in dem unwirklichen Terrain behaupten müssen. Ähnlich ergeht es dem Schiffsschrauber Scotty (Simon Pegg), der auf die weißhäutige Alien-Kriegerin Jaylah (Sofia Boutella aus Kingsman) trifft und mit ihr u.a. herrliche Gespräche führt und langsam zu einem Team zusammen wächst. Nicht merklich schneller oder furioser als J.J. Abrams zeigt der lange für die Fast & Furious-Reihe verantwortlich zeichnende Regisseur Justin Lin, wo seine Stärken liegen. Und das ist nicht nur die Action. Die ist groß und gut, das war bereits durch die Trailer klar. Nein, schon bei den schnellen Autos schaffte Lin es, das Familiengefühl in den Vordergrund zu stellen. Hier auch, und so ist der Film immer dann am stärksten, wenn das Zusammenspiel der Crew-Mitglieder zum Tragen kommt. Das gelingt Lin gut, und so kommt zwischen den toll aussehenden und ok abwechslungsreichen Weltraumschlachten und Phasergefechten wenigstens kaum Langeweile auf. Nicht nur ein sauber und groß inszeniertes Weltraumabenteuer, sondern eines, welches von dem grandioses Zusammenspiel der Figuren lebt.

Was aber leider nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Handlung und Motivation des Bösewichtes mehr als nur flach zu Papier gebracht wurden. Denn das größte Problem und die größte Stärke des Filmes liegen beide im Drehbuch von Star Trek-Fan und Scotty-Darsteller Simon Pegg und Doug Jung begründet. Leider ist die Geschichte dabei unfassbar einfach gestrickt und hat einen ungemein blassen Gegner in petto. Krall, gespielt von einem unter Zentimeter dickem Make-Up verborgenem Idris Elba hat zwar eine physische Präsenz, aber nicht viel mehr. Was Elbas Krall will, ist nichts als dem klassischen McGuffin zu folgen, und könnte fast nicht beliebiger und phrasenhafter wirken. Eine einfallslose und stringente Reise von A nach B. Kein Aha-Moment wenn enthüllt wird, was Krall eigentlich antreibt. Dafür kommt der Moment einfach zu spät und auch viel zu kraftlos daher, auch da die Motivation trotz erläuternder Worte und Bilder, mehr als nur schwächelt. Wäre die Einfachheit an sich ja völlig ok, kommt dabei einfach nichts rüber. Auf dem Papier womöglich stark, kommt hier wie bei dem kolossal schwachen und unfreiwillig komischen Kahn Offenbarungs-Moment aus Star Trek Into Darkness, rein nichts auf der Leinwand an. Auch nutzt man sehr ungelegt und viel zu offenkundig Plot Device auf Plot Device, was Lins Regie nicht zu kaschieren vermag.

Pegg und Jung konzentrieren sich nur auf das Gefühl und Zusammenspiel innerhalb der Helden-Seite, als auf eine sinnige und schöne Story dahinter. Die Spannung leidet merklich darunter, dass immer wieder auf unnötig reliefartig flache Dinge zurückgegriffen wird, um zum nächsten Punkt der Handlung zu gelangen. Dinge, die man natürlich passenderweise einige Zeit zuvor bereits angepriesen hat. Die Tribbles aus Into Darkness lassen an diesen Stellen schön grüßen. Einmal von hier nach da Mister Scott, aber bitte mit Maximum-Warp, damit möglichst nicht auffällt, wie einfallslos unser eingeschlagener Kurs hier ausfällt. Glücklicherweise immer charmant verpackt, getragen vom weiterhin tollem Cast, der noch einiges zu retten vermag. Allerdings darf man sich wohl zurecht fragen, welches Alien die Autoren Pegg und Jung geritten hat, als man den finalen Kniff zum Beikommen der unüberwindbaren Bedrohung ersann. Vorbei die Zeiten, in denen man diesen Film ernst nehmen konnte, da der Clou einfach nur zum skeptischen Hochziehen der (egal ob vulkanischen oder menschlichen) Augenbrauen einlädt, und sicherlich auch einiges an Kopfschütteln verursachen dürfte. Andere Zuschauer wiederum, ja, die werden vermutlich zu „Sabotage“ der Beastie Boys eher kopfnickend zustimmen, und diesen Moment genießen. Eine offenkundig spaltende Szene in der Weltraum-Saga um Kirk und Spock, die hier trotz des gelockerten Tones, nicht recht hineinpassen will, aber in einem Independence Day 3 wie gerufen käme. Faszinierend.

Fazit:

Wer Star Trek seit dem Neustart mochte, bleibt wohl trotz schwacher Handlung an Bord, da Witz, Chemie und Figurenzeichnung weiterhin stimmen. Dazu gibt es viel Krawall im All, getragen von einem weiterhin hervorragend harmonierenden Hauptcast, eingehüllt in jede Menge unendliche Welten aus dem Computer. Spektakuläre Fortsetzung der Actiongeladenen Abenteuer um Kirk und Crew, aber kein bisschen mehr.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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