BG Kritik:

Star Wars: Die letzten Jedi


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Star Wars: The Last Jedi (US 2017)
Regisseur: Rian Johnson
Cast: Daisy Ridley, Mark Hamill, Carrie Fisher, John Boyega, Adam Driver, Oscar Isaac

Story: Während Rey dem auf Ahch-To im Exil aufgefunden Luke Skywalker noch immer das Lichtschwert seines Vaters entgegen streckt, formiert sich die Erste Ordnung zum Gegenschlag gegen Leias Resistance.

Möge die Macht...

Admiral Porg leitet den neuen Orden der Sith


Pünktlich zu Weihnachten und nach dem letztjährigen Exkurs im ersten A Star Wars Story-Vertreter Rogue One, geht es nun episodisch weiter, mit dem achten Teil der gerne als Skywalker-Saga betitelten Hauptreihe im Krieg der Sterne. Nachdem J. J. Abrams mit The Force Awakens erfolgreich das Feeling und die Magie aus der weit, weit entfernten Galaxis ins aktuelle Kinogeschehen katapultierte - und dabei zugegebenermaßen einige größere Ähnlichkeiten zum ursprünglichen Krieg der Sterne (heutzutage Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung) einbrachte - ist es nun an Rian Johnson (Looper, Brick), Star Wars auf die nächste Etappe zu schicken. Wird es wieder Remake-Vorwürfe geben? Star Wars: Episode VIII - Die Erste Ordnung schlägt zurück? Es herrscht jedenfalls weiterhin Krieg in den Weiten der Galaxis. Seitdem die Erste Ordnung in Episode VII mittels der Starkiller Base die Neue Republik vernichtete, steht es nicht gut um die Widerstandskämpfer um Leia, Rey, Finn und Poe, da der Oberste Anführer Snoke mit seinen Schergen der Ersten Ordnung, - allen voran Kylo Ren/Ben Solo - unmittelbar hinter ihnen ist, um einen letzten, finalen Treffer zu landen. Dass der Oberste Anführer diesmal nicht nur via XXL-Hologramm aktiv wird, ist ja bereits aus mindestens einem Trailer bekannt. Womit diese Kritik auch bereits beim größten offenbarten Punkt angekommen ist, denn weiter werden keine Details zur Handlung folgen. Ok, eines noch: Es gibt deutlich mehr Szenen mit Luke Skywalker als noch im ersten neuen Film, - was nicht schwierig war – und diese gehören zu den absoluten Highlights des Abenteuers!

Ein Wiedersehen mit alt gewordenen Freunden und eben erst kennen gelernten jungen Wilden, die aber gut zueinander passen und sich organisch ergänzen und die Saga weiter tragen. Was Rian Johnson dabei schafft, sind einige denkwürdige, so in Star Wars noch nie gesehene Bilder und Momente auf die Leinwand zu zaubern, und Gänsehaut dürfte an mehr als einer Stelle garantiert sein. Vielleicht gar ein paar Tränen. Und nein, es ist keine Kopie von Das Imperium schlägt zurück geworden. Auch wenn es bekannt anmutende Punkte aus diesem, aber auch aus weiteren Teilen, und speziell Die Rückkehr der Jedi-Ritter gibt. Die achte Episode der Sternen-Saga ist eine phasenweise extrem mutige, neue Pfade beschreitende geworden. Eine, die zugleich viele Erwartungen der Zuschauer erfüllt, aber an anderer Stelle auch mit eben jener Erwartungshaltung der Fans zu spielen, und manche Situationen dann gänzlich und fast immer glänzend, anders zu brechen weiß. Luke Skywalker Darsteller Mark Hamill nannte Star Wars: Die letzten Jedi (in etwa) nicht das, was man erwartet. Und viele Zuschauer werden nach dem Kinobesuch wohl geneigt sein, ihm da zuzustimmen, denn einiges was in den 152 Minuten(!) von Die letzten Jedi geschieht, wurde so wohl kaum erwartet. „Unerwartet das ist. Und bedauerlich“ sagte der weise Jedi-Meister Yoda einst in Rückkehr der Jedi zum jungen Skywalker. Und auch hier in Teil 8 gibt es Dinge, zu bedauern - worin allerdings kein versteckter oder angedeuteter Spoiler zu möglichen Todesfällen in Episode VIII zu verstehen sein soll.

Da wo Licht ist, da ist auch Schatten und auch wenn Rian Johnson hier zwar nicht J.J. Abrams Fehler wiederholt, so darf er dafür aber seine eigenen machen, wodurch Die letzten Jedi an anderen Problemen krankt, als einer bekannt vorkommenden Story. Doch dazu etwas später. Johnson vereint hier Finsternis und Ernsthaftigkeit, mit erstaunlich viel und meist situationsbedingtem Humor. Wem der letztjährige Rogue One zu zynisch und humorlos war, mag sich hier eventuell wieder heimischer fühlen. Auch wenn der Humor ab und an etwas übers Ziel hinaus schießt, - Stichwort Slapstick und Klamauk - und ab und an fast nur noch ein kleiner Anakin der „Yippee“ und „Upps“ ruft, zu fehlen scheint, um diesbezüglich auf einer Ebene mit Episode I zu stehen. Glücklicherweise fängt sich der Film dann aber zumeist recht schnell wieder, wodurch die Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit eher funktioniert, als dass sie es nicht tut. Mehrheitlich steht dem Film sein Humor also, und viele der richtig guten bis herausragenden Szenen der achten Episode haben einen humorvollen Kern. Allein die erste Szene von Poe Dameron, grandios und humorvoll, gepaart mit toll aussehender Weltraum-Action.

Der Film gefiel Disney so sehr, dass Rian Johnson eine komplette neue SW Trilogie entwerfen darf


Sein größtes Problem hat der Film aber klar in der Geschichte, da vieles an ihr völlig unnötig und gar unsinnig wirkt, irgendwo und nirgendwo hin führt, und offenbar nur integriert wurde, um einigen der Figuren etwas zu tun zu geben. Speziell Deserteur FN-2187, Fliegerass Poe und Neuzugang und Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) könnte man ab einem Punkt auch problemlos auch fast bis gänzlich aus dem Film heraus schneiden, ohne dass wirklich bedeutsames fehlen oder verändert würde. Noch größer wird die Tragweite der Handlungs-Problems dadurch, dass der Film viele seiner Nebenhandlungen, lange und ausgiebig an einen speziellen Knotenpunkt der Hauptstory heftet, der sich dann allerdings bereits innerhalb kürzester Zeit als nicht tragfähig erweist. An dieser Stelle werden sich die Macher hinter den bekannten Honest Trailers, How it Should Have Ended und Co. auf YouTube sicherlich genüsslich die Hände gerieben haben, denn Rian Johnsons Star Wars: Die letzten Jedi bettelt hier geradezu darum, durch den sprichwörtlichen Kakao – wahlweise auch mit blauer oder grüner Milch angerührt – gezogen zu werden. So gibt es hier Handlungspunkte, die noch unsinniger erscheinen, als Han Solos Landeanflug bei Lichtgeschwindigkeit, wobei die Story auch noch über einen viel zu kurzen Zeitraum verläuft, und die unendlichen Weiten (ja, anderes Franchise) hier mehr so wirken, wie mal kurz ums Eck.

Trotzdem bietet Die letzten Jedi einige der besten Einzelmomente und Szenen der ganzen Saga, dazu neue, bisher ungesehene und kreative Arten der Lichtschwert-Nutzung und insgesamt auch einiges an Überraschungen und unerwarteten Geschehnissen. Auch gewinnen einige der Figuren deutlich gegenüber zuletzt und dürfen sich geradezu entfalten. So gewinnt der wankelmütige Vatermörder Kylo Ren deutlich an Profil und Charakter, aber auch Rey darf sich entfalten, als Figur wachsen und an Kontur gewinnen. Ihnen gehört neben Luke auch klar die Bühne. Neben dem bereits erwähnten tollen Wiedersehen mit Luke, bekommt auch seine Zwillingsschwester Laia (zum letzten Mal gespielt von der zwischenzeitlich verstorbenen Carrie Fisher) noch einmal einige denkwürdige, emotionale und herzerwärmende Momente. Dazu gibt es gefühlt alles, was in einem guten Star Wars irgendwie drin zu sein hat. Große Weltraum-Schlachten mit heldenhaften, selbstlosen Rebellen und Imperialen (oder wie die Sturmtruppen und Kollegen nun auch genau heißen) sind also ebenso drin, wie das Schwingen mit dem Lichtschwert, wobei speziell ein Kampf mit Lichtsäbel besonderer herauszustechen vermag. Dabei wie schon in Teil 7 nicht so stylisch und durchchoreographiert wirkend wie in den Prequels, und eher hart und erdiger, an Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter erinnernd. Technisch gibt es nur wenig zu meckern, vieles scheint offenkundig weiter mit Animatronics und Puppen, sowie echten Sets, erweitert durch ordentlich Rechenpower erschaffen, und nur ganz selten erscheint die Illusion nicht ganz perfekt.

Ganz wie in Episode VII eben, was auch auf musikalischer Ebene völlig zutrifft, denn hier gibt es weiter mehr vom Alten, denn was funktioniert und Gänsehaut generiert, sind mehrheitlich die Klassiker unter den Star Wars-Themen. Darüber hinaus scheint Altmeister John Williams weiter auf Sparflamme komponiert zu haben, denn nichts Neues vermag wirklich heraus zu stechen, und einen neuen Imperial March oder ein Duel Of The Fates sucht man hier verzweifelt und vergebens. An diesem Punkt verbleiben die Prequels besser. Aber die müssen ja auch mal was gewinnen.

Fazit:

Sehr viel Licht auf einigen neuen Wegen, aber auch eine ordentliche Portion Schatten innerhalb der Story machen The Last Jedi nur zu einem guten, teilweise mutigem und wichtigem, aber insgesamt keinem völlig außergewöhnlichem Kapitel im Krieg der Sterne. Die Macht ist aber weiter stark, auch wenn der Film deutlich hinter seinen Möglichkeiten verbleibt und sich das eine oder andere Mal, selbst ins Bein schießt.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2018 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich