BG Kritik:

The Light Between Oceans


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

The Light Between Oceans (2016)
Regisseur: Derek Cianfrance
Cast: Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz

Der vom ersten Weltkrieg desillusionierte Tom Sherbourne (Michael Fassbender) entscheidet sich für einen Job als Leuchtturmwärter um Ruhe vor den Bildern seiner Vergangenheit zu finden und ein neues Leben zu suchen. Auf dem Festland lernt er die junge Isabel (Alicia Vikander) kennen, welche direkt fasziniert von ihm ist. Nach mehreren Briefwechseln heiraten die beiden und leben fortan gemeinsam auf der Insel. Nachdem ihr Kinderwunsch nach zwei Fehlgeburten nicht erfüllt werden kann, kommt es schließlich zu einem, nicht nur für sie, schicksalhaften Ereignis, was das Leben aller für immer verändern wird.

Derek Cianfrance sendet mit einem neuen Film ein Signal aus. Lohnt es sich darauf zuzusteuern?

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Mit BLUE VALENTINE (2010) zeigte Regisseur Derek Cianfrance schon eindrücklich, wie gekonnt er es versteht, die verschiedenen Facetten einer Liebesbeziehung in einem Film zu beleuchten. Der Film mit Ryan Gosling und Michelle Williams in den Hauptrollen erzählte in zwei parallel montieren Handlungssträngen vom Zueinanderkommen und wieder Auseinandergehen eines Paares. Zwei Jahre später ließ Cianfrance, wieder mit Ryan Gosling, THE PLACE BEYOND THE PINES folgen, ein Film in dem er, anders als bei BLUE VALENTINE, die Geschichten diesmal nicht parallel zueinander, sondern jede für sich abgeschlossen, in chronologischer eihenfolge, erzählt. Ein weiteres, größtenteils, überzeugendes Werk, das sich nur hier und da etwas einfachen dramaturgischen Mitteln bediente. Nach der Lektüre von M.L. Stedmans Vorlage zum Film THE LIGHT BETWEEN OCEANS, mag es dann auch bei dieser Filmografie nicht überraschen, dass Steven Spielberg, einer der Inhaber der produzierenden DreamWorks, direkt an Derek Cianfrance als geeigneten Regisseur für den Stoff dachte und ihn auch bekam.

Im Genre des Dramas oder Melodrams ist die Gefahr oftmals sehr groß schnell in Klischees oder Kitsch zu verfallen. Diese gefährlichen Gewässer vermag auch dieser Film nicht komplett zu umfahren, doch andererseits muss er das auch nicht. Denn der Film baut und benötigt eine funktionierende und glaubwürdige Beziehung zwischen zwei Menschen, für die die Liebe zueinander eigentlich immer das Wichtigste sein soll. Es ist das Herzstück der Geschichte und gehört daher auch in ihrer Emotionalität und Breite ausgebreitet, wie es dafür nötig, dass es den Zuschauer auch auf einer gewissen Ebene emotional mitreißt. Das ist eine Voraussetzung, die der Zuschauer akzeptieren muss, wenn er sich den Film anschauen möchte. Liebe ist hier nicht Kitsch oder Klischee, sondern der Schlüssel zum Funktionieren der Geschichte. Wie es der die Werbebotschaft des Films auch schon andeutet: „Loves demands everything“. In diesem Sinne beansprucht sie hier auch die Akzeptanz und das Verständnis des Zuschauers. Will aber im Umkehrschluss nicht heißen, man findet sich hier wieder in einer seichten Nicholas-Sparks-Verfilmung wieder, ganz im Gegenteil. Das Drama schleicht sich hier mehr durch die Hintertür heran und spielt mit den Figuren, lässt sie zweifeln, auseinandergehen und vielleicht auch wieder zusammenkommen.

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Derek Cianfrance gab den Schauspielern und seiner Crew nicht nur von hinter der Kamera Anweisungen, sondern schrieb auch das Drehbuch zum Film. Mit am Ende guten 130 Minuten hat er es hierbei relativ souverän geschafft, das knapp über 400 Seiten lange Buch ohne gravierende Kürzungen oder Änderungen für die Leinwand zu adaptieren. Die Nähe zur Vorlage wird ihm dabei aber auch zum Problem, denn er verpasst es, Makel, die schon im Buch zu finden waren, auszumerzen. Es mag widersprüchlich klingen, dass man einer Geschichte, die von Schicksalsbegegnungen und Schicksalsschlägen lebt, ihr genau dies vorwirft, doch liegt das Problem weniger in der Idee als in der Ausführung. So können sich Buch, wie im Umkehrschluss auch der Film, einer gewissen Vorhersehbarkeit nicht entziehen. Gleichzeitig vermag es der Film auch nicht das Schicksal mehr als dieses, denn einem filmischen Zufall aussehen zu lassen. Cianfrance ändert teilweise in einer entscheidenden Szene nur Kleinigkeiten in der Erzählung, welche aber im fertigen Film dem ganzen Szenario leider etwas Schaden bringt durch seine Offensichtlichkeit bezogen auf Schicksal und Zufall. Dies ist einer der großen Makel des Films. Die Geschichte reißt mit und evoziert Emotionen beim Publikum und doch in den entscheidenden Momenten wird zu sehr mit dem Zufallsprinzip gespielt.

Verlassen kann sich der Regisseur beim erst genannten Punkt der Kritik, der Gefahr des Kitsches, auf seine beiden Hauptdarsteller. Besonders Michael Fassbender versteht es gekonnt die Gedanken, die man als Leser im Buch noch einfach erfahren kann, durch Mimik und Gestik ganz ohne Worte zu veräußern. Fassbender – der erst kürzlich im Zuge einer Retrospektive seiner bisher Karriere auf dem Filmfestival in Toronto harte Worte für seine Darstellung des Magneto in den X-Men-Filmen fand – zeigt hier mal wieder deutlich, dass er aktuell mit zu den besten seines Faches gehört. Auch Alicia Vikander kann mitunter dazu gezählt werden, muss sich aber in diesem Film etwas hinter Fassbender anordnen, was aber mehr an ihrer Rolle selbst liegt. Keine einfache, muss sie doch die vielen Tiefschläge und Schwächen ihrer Figur in ein überzeugendes Gesamtbild zusammenfassen. Dies gelingt er hierbei nicht immer zur Gänze. Ähnlich wie Rachel Weisz, was mitunter aber mehr daran hängt, dass ihre Figur relativ spät in den Film eingeführt wird – eine weitere, kleine Freiheit, die sich Cianfrance bei der Adaption genommen hat – und einen ähnlichen emotionalen Zustand verkörpern muss.

Cianfrance nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Mittel in Gänze aus. Die Kamera von Adam Arkapaw bleibt immer relativ nah an ihren Protagonisten dran. Viel Handkamera sorgt für eine intime Nähe zu der nur die des Öfteren eingestreuten Panoramaaufnahmen von Booten auf dem Meer eine Abwechslung bieten. Die Kamera folgt, ähnlich dem Schicksal im Film, gnadenlos seinen Figuren. Die richtigen Töne dafür versucht der französische Komponist Alexandre Desplat zu finden. Mittlerweile an der Spitze der Filmmusikkomponisten etabliert, muss er sich mittlerweile des Öfteren anhören, dass er sich klanglich und thematisch oft nur noch wiederholt. Natürlich erfindet sich Alexandre Desplat auch hier nicht neu, aber thematisch schön ausgearbeitet und gewohnt versiert orchestriert verfehlt die Musik auch innerhalb des Films nicht ihre Wirkung, ohne zu einer Kopie eigener vergangener Arbeiten zu werden.

Fazit:

Ein Film über Liebe, Familie und das Schicksal. Cianfrance muss dies alles in einen geordneten und konformen Film bringen, was ihm auch größtenteils gelingt. Doch wird verpasst sich bei der Adaption der Buchvorlage von den dort schon vorherrschenden Makeln zu befreien. Das überzeugende Leindwand-Duo Fassbender/Vikander kann dies wohl größtenteils auffangen, doch wäre hier mit kleinen Änderungen vielleicht ein noch besserer Film drin gewesen. Doch bei all der Kritik, überwiegt am Ende schließlich doch das Positive.

7,5 / 10

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