BG Kritik:

The Promise - Die Erinnerung bleibt


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

The Promise (2016)
Regisseur: Terry George
Cast: Christian Bale, Oscar Isaac, Charlotte Le Bon

Im Jahr 1915, als der Erste Weltkrieg bereits im Gange war, kommt der Armenier Michael (Oscar Isaac) nach Konstantinopel um sein Medizinstudium abzuschließen. Er trifft dort auf den amerikanischen Journalisten Chris Myers (Christian Bale) und seine Partnerin Ana (Charlotte Le Bon). Als sich zwischen Michael und Ana eine Affäre entwickelt, geschehen parallel erste Übergriffe der Türken auf das armenische Volk und Konstantinopel bleibt kein sicherer Ort mehr für sie und ihre Familien.

Eine Independent-Produktion mit 90 Millionen Dollar Budget und einer wichtigen Botschaft. Eine Erfolgsformel?

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Letztes Jahr erst stellte der Deutsche Bundestag einer Resolution fest, dass die Vertreibung, Ermordung und Vernichtung der Armenier und anderer christlicher Volksgruppen im Jahr 1915 und danach als Völkermord zu bezeichnen ist. Am 24. April 1915 war der Beginn eines grauenerregenden Genozids. Radikal-sunnitischen Anhänger des damaligen Jungtürken-Regimes verübten grauenhafte Verbrechen am ältesten christlichen Volk der Welt, den Armeniern. Als sich das Ereignis vor zwei Jahren zum hundertsten Mal jährte, ging vor allen Dingen durch die Presse, wie die aktuelle Regieurng in Ankara weiterhin beharrlich die Ereignisse als solche leugnet. Doch nicht nur in der Türkei gibt es vereinzelte Stimmen, die diesen Genozid bestreiten. Eine weitreichende historische und politische Diskussion, die nun also auch den Weg ins Kino gefunden hat: Als Hollywoodfilm mit durchaus beachtlichem Budget. Dies hatte komplett der im vergangenen Jahr bereits verstorbene Milliardär, armenischer Abstammung, Kirk Kerkorian zur Verfügung gestellt. Irgendwelche Einschränkungen aus künstlerischer Sicht, waren somit nicht zu erwarten.

Der Film wackelt leider an vielen Stellen merklich. Dies beginnt leider schon bei der Betrachtung der Besetzung. Christian Bale als amerikanische Figur und auch Charlotte Le Bon, die im Film in Paris aufgewachsen ist sind nicht mit dem Stempel, des immer wieder beliebten ‚Whitewashings‘-Vorwurf zu markieren. Doch Oscar Isaac, den man vielleicht ein orientalisches Äußeres andichten kann, in der Hauptrolle des Films, ist als Amerikaner mal wieder eine unglückliche Besetzung. Man versteht aus ökonomischer Sicht die Gründe dahinter. Man möchte eben für das (westliche) Publikum ein möglich bekanntes Gesicht für die Rolle haben, doch angesichts des löblichen Vorhabens und der Studiofreiheit, hätte man genau in diesem Punkt durchaus ‚gewagter‘ vorgehen können und für die Rolle vielleicht auch einen armenischen Schauspieler casten können. Denn, um dies zu verraten, der Film war während seiner Kinolaufzeit in den USA kein Erfolg. Nicht mal 10 Millionen Dollar konnte er dort wieder einspielen – angesichts des medialen Echos, besonders auch aus Hollywood wirklich überraschend wenig - was die Macher aber als kein größeres Problem abgehackt haben, da es ihnen nicht um den finanziellen Erfolg des Films ging, sondern um eine Verbreitung dieses historischen Ereignisses. Wenn der Film also nie ein Muss war als Publikumserfolg, sondern mehr als Initiator einer Auseinandersetzung, was er durchaus in Amerika erreichte, spricht das noch mehr für Freiheiten und Wagnissen in der Besetzung. Gleichzeitig bekommt der Film durch diese Konstellation einen faden Beigeschmack, ermöglicht doch diese Herangehensweise mal wieder den Amerikaner als Weltpolizei und Guten auftreten zu lassen.

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Doch befindet man sich damit in der Betrachtung schon auf der inhaltlichen Ebene des Films. Denn stecken hier noch viel mehr die Probleme des Films. Rund um die Ereignisse aus dem Jahr 1915 sah man sich scheinbar gezwungen als emotionalen Anker eine Dreiecksgeschichte als Zentrum des Films einzubauen. Primär folgt man als Zuschauer Michael, doch sind es auch Christian Bales Figur im letzten Drittel und Charlotte Le Bons Ana anhand derer die Schicksale der Menschen nacherzählt werden. Wenn man mal davon absieht, dass es dem Film trotz einer Laufzeit von knapp über zwei Stunden nicht gelingt diese Figuren wirklich mit Sympathien und einer zwischenmenschlichen Chemie aufzuladen, verläuft sich der Film in diesem Punkt auch sehr schnell. Der Genozid wird zu einer Nebenhandlung. Ein Ereignis, dass den Figuren passiert, aber nie zum Zentrum der Handlung wird. Von den Gräueltaten wird nur erzählt. Dem Film gelingt es wirklich nie Bilder für den Genozid zu finden. Es bleibt beim Andeuten des Ereignisses, doch bleibt der Film auch durchgehend ein opulentes Historiendrama ohne irgendwelche tiefgründigen Ausflüge. Als Bales Figur in Gefangenschaft gerät, ist dies so nüchtern inszeniert und gleichzeitig farbgesättigt aufgenommen, so dass kaum ein Gefühl der Gefahr oder Bedrohung von den Szenen ausgeht.

Auf dem Regiestuhl nahm Terry George Platz. Er war nicht nur schon zweimal für ein Drehbuch (!) für einen Oscar nominiert, sondern gewann die begehrte Statue 2012 für einen Kurzfilm gemeinsam mit seiner Tochter. Doch gleichzeitig hat er in den letzten Jahren, den Oscar mal beiseitegeschoben, im Bereich des Spielfilms kaum für Aufsehen gesorgt. Sein letzter größerer Film war RESERVATION ROAD (2007) mit Jennifer Connelly, Joaquin Phoenix und Mark Ruffalo. Doch trotz dieser Besetzung wurde der Film vielerorts nur zwiegespalten aufgenommen. Terry Georges Wahl bleibt damit etwas in der Schwebe und mag mehr noch mit seiner Arbeit an HOTEL RUANDA (2004) zusammenhängen. Doch war auch er es, der das Drehbuch zu THE PROMISE überarbeitet und schließlich auch dafür geradestehen muss, was inhaltlich und inszenatorisch am Film nicht zu funktionieren scheint. Er hatte die Möglichkeit mit einem überdurchschnittlichen Budget für so einen Film in der heutigen Zeit zu arbeiten und doch bleibt am Ende ein Film, der wieder schnell vergessen ist und gerade das wollte man mit dem Film eben nicht erreichen. Es bleibt zu analysieren, wie der Film abseits seiner filmischen Qualität, trotz seiner breiten Besprechungen und Empfehlungen in Hollywoodkreisen so an den Kassen floppen konnte, doch wäre schon ein besserer Film wohl ein erster sinnvoller Schritt gewesen, dem entgegen zu wirken.

Fazit:

Der gute Wille reicht am Ende nicht immer. Terry George inszeniert einen Historienfilm nach Schema F. Er findet durchaus große Bilder, doch gerade die Grausamkeiten des Krieges werden heruntergespielt. Die Hauptfiguren hat man schon tausendmal als solche Charaktere gesehen. Sie verkommen zu Abziehbildern, die sich durch ein Drehbuch kämpfen, welches mehr an einem runden Liebesdrama interessiert ist, als an seiner Botschaft

5 / 10

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