BG Kritik:

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

Before I Fall (USA 2017)
Regisseur: Ry Russo-Young
Cast: Zoey Deutch, Halston Sage, Cynthy Wu

Was würdest du tun, wenn heute dein letzter Tag wäre? Sam und ihre besten Freundinnen glauben, alles richtig gemacht zu haben: Sie gehören zu den beliebtesten Mädchen der Highschool, haben mit den coolsten Typen rumgeknutscht und die wildesten Partys gefeiert. Die vier Freundinnen haben die Schule fest im Griff und sehen sehr gut dabei aus. Als It-Girl-Clique machen sie aber auch Außenseitern gern mal das Leben zur Hölle. Doch plötzlich wird irgendwo ein Hebel umgelegt und die Regeln der perfekten Highschool-Welt ändern sich. Nach einer ausgelassenen Party stirbt Sam bei einem Autounfall – doch als wäre nichts gewesen, wacht sie am Morgen desselben Tages quicklebendig in ihrem Bett auf. Was wie eine neue Chance wirkt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum: Sam erlebt die letzten 24 Stunden vor dem Unfall immer und immer wieder – und setzt alles daran, diesen Teufelskreis endlich zu durchbrechen.

Und täglich grüßt der Zeitschleifen-Film...nimmt das denn nie ein Ende?

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Der Zeitschleifen-Film. Er folgt klaren Regeln. Aus irgendwelchen Gründen erlebt der Protagonist oder die Protagonistin einen Tag oder auch nur ein Ereignis immer wieder. Ein Ende kann dies nur nehmen, wenn sich innerhalb der Wiederholungen der Grund dafür finden lässt. Bill Murray konnte seinerzeit seinen GROUNDHOG DAY (Und täglich grüßt das Murmeltier, 1993) aus der Zeitschleife reißen, indem er nach und nach zu einem besseren Menschen wurde. Quasi Lektionen lernen durch Wiederholung. Ein nachvollziehbares und logisches Prinzip. Schon in vielen Variationen und Genres hat die Filmwelt dieses Gedankenspiel durchgespielt. Was hat dazu die Buchadaption, die den sperrigen deutschen Titel des Buches übernimmt, WENN DU STIRBST, ZIEHT DEIN GANZES LEBEN AN DIR VORBEI, SAGEN SIE dem noch hinzuzufügen? Der deutsche Verleihtitel verrät im Grunde schon die Prämisse, doch gleichzeitig eröffnet er mit dem letzten Halbsatz „sagen sie“ eine reizvolle Ebene, die der Film aber so nie hergibt. Das Gedankenspiel im Highschool-Absolventen-Milieu bietet genau das, was man davon erwartet. Nicht weniger, aber leider auch nicht viel mehr.

Zu Beginn durchläuft man einmal den besagten Tag, der sich in der Folge mehrmals wiederholen soll. Dabei stellt sich schnell die Erkenntnis ein, dass die vier Damen, die hier Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind, eigentlich ziemlich fiese Zicken sind, denen man nach dem tragischen Autounfall eigentlich gar nicht so nachtrauern mag. Zoey Deutchs Samantha wird hierbei von Anfang an etwas zurückhaltender und sympathischer aufgebaut. Der Film forciert sie etwas als mögliche Sympathieträgerin, was dazu führen mag, dass sie eigentlich gar nicht so sehr in diese Vierer-Clique passen mag. Selbstverständlich sind dies alles Fährten und Fundamente, die sich der Film erstmal zurechtlegt um später darauf zurückgreifen und damit arbeiten zu können. Die verschiedenen Phasen der Wiederholung, die nun folgen, und wie damit die Hauptfigur umgeht mögen logisch sein, zuweilen wirken aber auch sie wieder sehr funktional.

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Mit Hilfe von Geheimnissen und Hintergründen, sollen die anfangs noch sehr oberflächlich wirkenden Charaktere des Films entlarvt beziehungsweise einen neuen Eindruck vermitteln. Samanthas Reise durch den immer selben Tag lässt Hoffnungen, Ängste und Konflikte des Erwachsenwerdens auftreten und an verschiedenen Einzelschicksalen durchspielen. Das wirkt zuweilen konstruierter als es sein muss und im Grunde fehlt bis zum Ende eine klare Rechtfertigung dafür, dass man dies nur mit Hilfe eines Zeitschleifen-Films erzählen könnte oder es in diesem Fall die kreativere Variante ist. Mit dieser Problematik scheint auch der Film zu kämpfen, denn dramaturgisch teilt er sein Film sehr eigen ein, indem er sich erstmal voll auf seine Hauptfigur konzentriert und sie verschiedene Stadien des Gemüts durchspielen lässt, bis er sich dann, bei einer knappen Laufzeit von 90 Minuten, für die Nebencharaktere interessiert. Dies ist dann mehr was Halbes, denn ein Ganzes. So versiegt auch die finale Aussage des Films am Ende etwas im Nichts und nimmt auch der finalen Montage ihre emotionale Kraft. Vieles wirkt zu offensichtlich, zu kalkuliert.

Wie ein Musikvideo möchte der Film hierbei ständig im Rhythmus Jugend sein und dem Geist der Zeit nachjagen. So setzt man dafür auch selbst vielerlei Songs ein, womit die Tonspur nur umso mehr die visuelle Ebene überlagert und die Wirkung von Songs zur Atmosphäre teilweise verschenkt wird beziehungsweise nicht mehr wahrgenommen werden kann. Auf Seiten der Darsteller hat man nicht viel falsch machen können, gibt aber den meisten auch nicht so viel zu tun. So stechen am Ende nur wenige Momente wirklich heraus und geben einen Eindruck davon, wie viel besser der Film sein könnte, wenn man den Film vielleicht auf weniger Konflikte verdichtet hätte und sich darauf verständigt welche Themen man ansprechen möchte, anstatt alles was das Leben als junger Mensch hergibt ansprechen zu müssen.

Fazit:

Der Film braucht länger um in die Gänge zu kommen und verläuft auch dann relativ konventionell und überraschungsarm ab. Er verhindert so eine stärkere, emotionale Bindung zu den Charakteren, doch punktet mit einer leichtfüßigen und stringenten Erzählung, die man aber ohne Wiederholung auch schnell wieder vergessen wird.

5,5 / 10

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