BG Kritik:

Wonder Woman


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Wonder Woman (US 2017)
Regisseur: Patty Jenkins
Cast: Gal Gadot, Robin Wright, Chris Pine, Danny Huston, Elena Anaya, Connie Nielsen, David Thewlis

Story: Aufgewachsen auf einer via göttlicher Magie versteckten, paradiesischen Insel macht sich Amazonen-Prinzessin Diana (Gal Gadot) zusammen mit dem notgelandeten britischen Soldaten Steve Trevor (Chris Pine) auf in die Welt der Menschen, um den Ersten Weltkrieg zu beenden. Sie wird Zeugin der Grausamkeiten des Krieges und der Menschheit. Der vierte Film im DC Extended Universe und die Geburtsstunde von Wonder Woman.

Kann das goldene Lasso das DC Extended Universe retten?

Als nächster DCEU Film folgt Justice League im Winter


Die Comic-Giganten DC und Marvel liegen im Wettstreit, und das seit jeher und bereits seit weit vor dem Start der Expansion ins Kino. Marvel nennt es das Marvel Cinematic Universe (MCU) und etablierte damit seit 2008 den Wunsch der Studios (nicht nur bei Comic-Filmen), gefühlt alles und jedes im hauseigenen Fundus zu vernetzen. Alle anderen folgten dem Trend, und laufen seitdem gefühlt hinter Marvel hinterher. So auch Hauptkonkurrent DC. Mit Man of Steel in 2013 noch recht ordentlich - wenn auch nicht perfekt - gestartet, mit dem holprig unausgewogenen - aber noch unterhaltsamen - Batman v Superman: Dawn of Justice fortgesetzt, und zuletzt den unausgegorenen, - kaum noch mäßigen und völlig möchtegern-cool wirkendem - Suicide Squad nachfolgen lassend. Ja, das Kinouniversum des Comic-Gigaten DC befindet sich gefühlt seit dem Start auf einer Talfahrt. Denn es wurde statt besser, von Film zu Film nur schlechter bis schlimmer. Ob nun durch Eingriffe in der Nachproduktion oder von vornherein unrund konzipiert, egal, das Endprodukt war gut jenseits von Makellos und wirkte oft schlicht unrund. Bisher! Hatte man bei den Filmen im DC Extended Universe (DCEU) immer das Gefühl, keinen wirklichen Plan im Hause Warner bereitliegen zu haben und nicht zu wissen, ob man nun nur ernsthaft und düster oder doch auch witzig und freakig sein will - ohne einen stimmigen Mix daraus erschaffen zu können - kommt Wonder Woman nun nahezu wie aus einem Guss anfühlend daher. Episch, herzlich, warm und ab und an witzig – ohne pseudo-cool oder aufgesetzt zu wirken wie in BvS oder gar Suicide Squad - und dabei die nötige Grund-Härte und Düsternis einer Geschichte inmitten des Ersten Weltkrieges nicht vernachlässigend. Dabei sowohl eingewoben in das große Ganze, aber auch wundervoll für sich alleine stehend.

Der erste Superhelden-Film angeführt von einer Heldin - seit den Startpunkten der Comic-Kinouniversen von Disney und Warner und nachdem sich das nach Elektra und Catwoman niemand mehr traute - und dann auch noch der erste Film daraus, inszeniert von einer Regisseurin. Innerhalb des erwähnten Wettstreits der Giganten Marvel und DC also zwei Punkte, die letztere für sich verbuchen können. Inszeniert von Patty Jenkins (Regisseurin von Monster, und ursprünglich von Marvel für Thor 2 engagiert, bevor man sich wegen kreativer Differenzen trennte) nimmt Gal Gadot in Wonder Woman ihre Rolle aus Batman v Superman: Dawn of Justice wieder auf. Als Vorgeschichte der Ereignisse aus eben jenem BvS angelegt, beginnt das Solo-Abenteuer von Wonder Woman zunächst und kurz in der Gegenwart des DCEU, um dann und schnurstracks in längst vergangenen Zeiten anzukommen und vom Aufwachsen und der nach Großem strebenden kleinen Prinzessin Diana zu erzählen. Diese will als einziges Kind auf der von Gottvater Zeus geschaffenen Insel der Amazonen unbedingt selbst zu einer großen Kriegerin heran wachsen, ohne die Bedeutung dessen überhaupt begreifen zu können. Für den Reifeprozess der zukünftigen Wonder Woman absolut nötig, ist dieser Beginn allerdings auch der schwächste Teil des Filmes, verläuft dies alles doch absolut überraschungssarm und schön nach Vorschrift. Ganz wie man es in unzähligen anderen Filmen bereits gesehen hat und zur Genüge kennt. Hat sich die kleine Amazonin allerdings mit der Ankunft des von Chris Pine gespielten Soldaten Steve Trevor erstmal warm gelaufen, beginnt der bessere, stärkere und auch weniger typische Teil des Abenteuers.

Dieses bietet dabei allerdings weiterhin viel typische Ursprungsgeschichten-Kost. Ist dabei aber ab und an schön mutig, konsequent und versucht auch mit der Ursprungsgeschichten oft anhaftenden Problematik der Vorhersehbarkeit zu spielen und zu überraschen. Das gelingt zwar nicht immer, macht aber nahezu immer Laune. Stahl die Amazone den Männern mit den Capes in ihrem Kinodebüt in BvS bereits die Show, darf Prinzessin Diana nun eben ihren eigenen Kinofilm anführen. Selbstverständlich in Begleitung eines männlichen Begleiters, welcher hier tatsächlich genau das ist: ein Begleiter. Hatte Diana aufgrund der Abwesenheit jedweder Männlichkeit auf ihrem Insel-Paradies bisher keinerlei Möglichkeit zur zwischengeschlechtlichen Interaktion jedweder Art, spielt Regisseurin Patty Jenkins ab der Ankunft des fremden Mannes diese Karte sehr gekonnt aus. Und so wird nahezu jedes Gespräch zwischen Pine und Gadot zu einem Volltreffer. Selten überzeugte ein Leinwandpaar in einem Comicfilm derartig, und voller nahezu sichtbarem Funkenflug und spürbarer Chemie. Zwar nur einen Schritt hinter ihr, aber klar erkennbar ist der von Chris Pine dargestellte Steve ihr hier deutlich untergeordnet, bekommt aber trotzdem seine Momente und trägt ungemein viel zum Film bei. Dies liegt nicht nur an seinem durchtrainiertem Körper - den er auch in einer Szene gut präsentieren darf - und seinem unverkennbaren Charme, sondern auch und vor allem an seiner angesprochenen Chemie mit Gadot.

... bei Erfolg spielt Wonder Woman 2 in der Gegenwart


Angetrieben von ihrem unbedingten Willen zu großen und heldenhaften Taten will Diana den Soldaten - gegen den Willen ihrer Mutter Königin Hippolyte (Connie Nielsen) - begleiten, denn Steves Schilderungen der Ereignisse des Weltkrieges klingen nach einer alten Prophezeiung. Kriegsgott Ares muss zurückgekehrt sein, dessen ist sich die Prinzessin sicher. Und ebenso sicher ist sich Diana, dass wenn sie ihn finden und im Duell töten kann, dann werden die Menschen noch im selben Augenblick die Waffen strecken und sich in den Armen liegen. Ja, Patty Jenkins lässt ihre Heldin in ihrem Solo-Debüt völlig und herrlich (geradezu erfrischend) optimistisch drein blicken, allerdings ohne sie hemmungslos naiv wirken zu lassen. Gadots Diana glaubt an das Gute im Menschen und ist aus innerster und tief optimistischen Weltanschauung sicher, dass diese im Herzen gut sind. Jenkins Regie und Gadots Darstellung ist es geschuldet, diese Szenen nicht ins Negative abkippen lassen. So wirkt Diana in diesen Momenten zwar naiv, aber keineswegs dumm. Es ist schlicht das, was sie Zeit ihres Lebens gelernt und gelebt hat, während sie nun mit der bitteren Wahrheit und der in dieser liegenden Komplexität der Menschheit konfrontiert wird. Wahrheit und Gerechtigkeit haben einen neuen Vertreter, und der ist nicht Superman, denn Wonder Woman der bessere Superman des DCEU. Sie ist ehrlich und integer, selbstlos, dabei grundoptimistisch, sympathisch und einfach heldenhaft. Der optimistischste und strahlendste Held seitdem Christopher Reeve das rote Cape trug, dabei aber völlig passend in die Jetztzeit des Kinos transportiert. Getragen und wirklich gut gespielt von der ehemaligen Soldatin, dem Model und dem Fast & Furious Eye Candy Gal Gadot. Sie ist Wonder Woman, und zwar in und außerhalb der Action. Und die gibt es natürlich auch in diesem Comic-Film reichlich. Diese ist gut positioniert und verteilt, dabei nie zu lang oder überzogen und doch sichtlich angelehnt an den von Zack Snyder eingeführten und vorgelebten Stil.

So gibt es unfassbar viele Zeitlupen und durchchoreografierte Action mit Schwert und Schild oder Pfeil und Bogen ebenso, wie Bomben und Maschinengewehrfeuer im Niemandsland des Krieges. Patty Jenkins adaptiert hier den von Zack Snyder vorgelebten Stil, scheitert aber nicht wie dieser an der Verwebung von Action mit Herz und Humor. Hier wirken diese eingestreuten Momente der Lockerheit nicht aufgesetzt, hölzern und holprig dazwischen gequetscht, sondern organisch und dazugehörig. Ebenso dazugehörig und dank BvS zur Wonder Woman gehörig, das von Hans Zimmer komponierte musikalische Thema der Heldin. Denn auch wenn Zimmer hier nicht den Ton angab, übernahm Komponist Rupert Gregson-Williams (The Legend of Tarzan, Hacksaw Ridge) doch dessen Hauptthema und setzt dieses ganz nach Bond-Tradition immer dann ein, wenn Wonder Woman wieder besonders wunderbar agiert. Außerhalb davon antreibend, funktional aber weniger prägnant als das Hauptthema. Effekttechnisch spielt auch der aktuelle DCEU-Blockbuster ziemlich weit oben mit, auch wenn einige Szenen – speziell auf der Insel der Amazonen – doch sehr nach am Computer erstellt oder mit Hilfe dessen zusammengestellt aussehen. Trotzdem gelingt es hier, kein bisher für das DCEU typisches, reines Blitz und Effekte-Gewitter abzuliefern, auch wenn man im Finale ganz kurz davor steht, versprüht der auf echtem Film gedrehte Blockbuster überwiegend eine gesunde Portion an Erdung. Natürlich in Relation ein 149 Millionen Dollar Comic-Blockbuster und Unterhaltungspaket zu sein.

DC oder Marvel? Das ist nicht die Frage. Ist es eine gute oder schlechte Comic-Verfilmung? Gar ein guter Film? Dies sind doch sehr viel relevantere Fragen. Patty Jenkins vollbringt das Wunder und die (hoffentlich) Kehrtwende für das DCEU und zurrt mit Hilfe von Schwert, Schild und dem Goldenes Lasso des Hephaestus - besser bekannt als Lasso der Wahrheit - ein Paket zusammen, welches wundervoll zu unterhalten weiß. Ihre Wonder Woman ist der Beweis, dass DC auch abseits von Batman und Superman was im Kino kann. Mehr davon!

Fazit:

Endlich ist ein wirklich guter Film im DCEU angekommen. Dianas Solo-Debüt hat ebenso viel Herz wie Action zu bieten, ist dabei handwerklich überwiegend sehr ordentlich inszeniert und vermag es sogar im obligatorischen Bombast und CGI-Finale, noch rechtzeitig die Reißleine zu ziehen um nicht zu überstrapazieren. Der beste DC-Comics basierte Film seit Nolans Batman-Trilogie Mittelteil The Dark Knight, und der ist ja immerhin aus 2008.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich